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Pressemitteilung vom 09.09.2025
Chefärzte und Chefärztinnen veröffentlichen Positionspapier zur Zukunft der Allgemein- und Viszeralchirurgie
Strukturen stärken. Chirurgie sichern. Zukunft gestalten.
Chirurgie vor Ort erhalten – Qualität braucht Nähe.
Eine Gruppe von Chefärzten und Chefärztinnen aus verschiedenen Kliniken in Deutschland hat ein Positionspapier zur aktuellen und künftigen Situation der Allgemein- und Viszeralchirurgie insbesondere in Kliniken der Grund- und Regelversorgung veröffentlicht. Das Papier wurde heute online gestellt (www.chirurgie-vor-ort.de) und nimmt Stellung zu den gravierenden strukturellen Herausforderungen, mit denen die chirurgische Versorgung in Kliniken der Grund- und Regelversorgung konfrontiert ist.
Die Autorinnen und Autoren sehen die Allgemein- und Viszeralchirurgie in Deutschland an einem Scheideweg. Kliniken der Grund- und Regelversorgung, die traditionell das Rückgrat der chirurgischen Patientenversorgung bilden, geraten zunehmend unter Druck: Politische Entscheidungen, neue gesetzliche Rahmenbedingungen und ökonomische Zwänge stellen nicht nur die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser Häuser infrage, sondern bedrohen auch die Sicherstellung einer wohnortnahen chirurgischen Versorgung.
„Die wohnortnahe Chirurgie ist Teil der Daseinsvorsorge – sie darf nicht Opfer von Zentralisierungstendenzen und unzureichender Refinanzierung werden“, so die Verfasserinnen und Verfasser.
Im Positionspapier werden insbesondere folgende Problembereiche hervorgehoben:
Ökonomische Rahmenbedingungen: Die Einführung von Hybrid-DRGs und die zunehmende Ambulantisierung stationärer Leistungen führen zu einer Diskrepanz zwischen notwendiger Infrastruktur und sinkender Vergütung.
Weiterbildungsproblematik: Junge Ärztinnen und Ärzte finden in Kliniken der Grundversorgung zunehmend nicht mehr die erforderlichen Fallzahlen und Strukturen vor, wodurch die Nachwuchssicherung im Fachgebiet gefährdet ist.
Regulatorische Vorgaben: Mindestmengen, Leistungsgruppen-Systematik und onkochirurgische Vorgaben verstärken den Zentralisierungseffekt und führen zu einem schleichenden Kompetenzverlust in der Fläche.
Die Unterzeichnenden formulieren drei zentrale Forderungen:
1. Stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die notwendige Strukturen finanzieren und planbare Perspektiven schaffen.
2. Angepasste Weiterbildungsmodelle mit realistischen Fallzahlen, um die Attraktivität des Faches zu sichern.
3. Stärkere Interessenvertretung der Kliniken der Grund- und Regelversorgung in chirurgischen Fachgesellschaften und politischen Entscheidungsprozessen.
„Die Allgemein- und Viszeralchirurgie ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Basisversorgung“, heißt es im Papier. „Zukunftsstrategien müssen die Behandlung häufiger chirurgischer Krankheitsbilder vor Ort angemessen berücksichtigen. Nur so lässt sich eine flächendeckende, qualitativ hochwertige Versorgung langfristig sichern.“
CA Prof. Dr. med. Martin Stockburger, Innere Medizin und Kardiologie:
Ich halte das Papier für außerordentlich wichtig und sinnvoll. Von ganz besonderer Bedeutung erscheint mir die Definition und Sicherstellung von prozeduraler Qualität und Ergebnisqualität jenseits des (inhaltlich ziemlich nihilistischen) reinen Fallzahlbezugs. Dies gilt im übrigen genauso für andere Fächer wie die Kardiologie.